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14. Sonntag nach Trinitatis
Predigt am 19. Sonntag nach Trinitatis
Epheser 4, 22-32
Legt von euch ab den alten Menschen mit seinem früheren Wandel, der sich durch trügerische Begierden zugrunde richtet. Erneuert euch aber in eurem Geist und Sinn und zieht den neuen Menschen an, der nach Gott geschaffen ist in wahrer Gerechtigkeit und Heiligkeit. Darum legt die Lüge ab und redet die Wahrheit, ein jeder mit seinem Nächsten, weil wir untereinander Glieder sind. Zürnt ihr, so sündigt nicht; lasst die Sonne nicht über eurem Zorn untergehen, und gebt nicht Raum dem Teufel. Wer gestohlen hat, der stehle nicht mehr, sondern arbeite und schaffe mit eigenen Händen das nötige Gut, damit er dem Bedürftigen abgeben kann. Lasst kein faules Geschwätz aus eurem Mund gehen, sondern redet, was gut ist, was erbaut und was notwendig ist, damit es Segen bringe denen, die es hören. Und betrübt nicht den heiligen Geist Gottes, mit dem ihr versiegelt seid für den Tag der Erlösung. Alle Bitterkeit und Grimm und Zorn und Geschrei und Lästerung seien fern von euch samt aller Bosheit. Seid aber untereinander freundlich und herzlich und vergebt einer dem andern, wie auch Gott euch vergeben hat in Christus
Liebe Gemeinde
Stellen sie sich vor, sie bekommen zum Geburtstag neue Kleidung, schicke neue Klamotten geschenkt. Die stehen Ihnen sogar sehr gut. Sagen alle. Und was machen Sie damit? Sie hängen sie in den Schrank und gehen weiter in ihren alten Kleidern unter die Leute! Ist doch komisch. Aber obwohl es komisch ist, bin ich überzeugt, dass jeder von uns solche neuen, schicken, aber noch nie getragenen Sachen im Schrank hängen hast. Ich jedenfalls habe sogar eine ganze Menge davon.
Von solchen neuen Sachen spricht auch der Apostel Paulus: Zieht an den neuen Menschen. Und er sagt uns auch, wie dieses neue Kleidungsstück aussieht: „Wahrheit … dem Bedürftigen geben … Worte der Erbauung finden“. Und wir wissen sogar, warum wir dieses Kleid geschenkt bekommen haben, den Anlass sozusagen: „Seid vielmehr gegeneinander gütig, barmherzig, und vergebet einander, wie auch Gott durch Christus euch vergeben hat“!
In dem Theaterstück „Jedermann“ von Hugo von Hofmansthal geht es um solch neue Kleider, um den neuen Menschen. Dem wohlhabende Jedermann begegnet unerwartet der Tod, der ihn vor seinen Schöpfer führen will und ihm nach intensivem Bitten nur noch eine kurze Lebensfrist von einer Stunde einräumt. Weder sein treuer Knecht noch seine Geliebte, weder seine Freunde noch sein Geld wollen ihn ins Grab begleiten. Nun ist Jedermann völlig einsam und nahezu verzweifelt. Da hört er aus dem Hintergrund eine leise Stimme, die seinen Namen ruft. Als er sich umdreht, sieht er eine gebrechliche Frau, die ihm sagt, dass sie seine „guten Taten“ sei und ihn gern ins Jenseits begleiten wolle. Sie ist aber zu schwach, da er sie immer so vernachlässigt hat. Aber sie ist bereit, ihre Schwester, den Glauben, darum zu bitten.
Der Glaube weist Jedermann nun auf die unendliche Liebe Gottes hin und rät ihm, den Herrn um Gnade zu bitten. Jedermann ergreift die letzte Hoffnung auf Rettung und versucht nach Jahren des Unglaubens, wieder zu Gott zu finden, wobei ihm ein Mönch hilft. Schließlich kommt der Teufel, um die schuldbeladene Seele Jedermanns, auf die er ein Anrecht zu haben meint, zu holen und zur Hölle zu führen, doch er muss zu seinem Ärger sehen, dass sie ihm durch die Gnade Gottes entrissen wurde. Wenig später kommt Jedermann in seinem Gewissen gereinigt zurück, und nun kann er zuversichtlich in Begleitung des Glaubens und der guten Werke vor Gottes Richterstuhl treten.
Als sich in der Urchristenheit zahlreiche Heiden zu Christus bekehrten, da wurde ihnen sehr schnell deutlich, dass sie in diesem neuen Leben eines Christen nicht mehr so leben konnten, wie sie es zuvor getan hatten. Sie konnten einfach nicht mehr so weitermachen. Ihr Christsein hatte Konsequenzen in ihrem Verhalten, in ihrer ganzen Einstellung. Das ist auch für uns nötig. Wenn wir Christen sein wollen, müssen wir ein wenig anders sein, als die, die mit dem Glauben so gar nichts am Hut haben. Wir müssen uns unterscheiden. Hinzu kommt, dass es auch unter denen, die Schwierigkeiten haben, an Gott zu glauben, manche gibt, die in ethischer Hinsicht Vorbild für die Gesellschaft sein können. Was also kann Gott, der uns von Herzen liebt und in der Taufe zu seinen Töchtern und Söhnen gemacht hat, zu Recht von uns erwarten?
Zum Einen: Gott kann von uns erwarten, dass wir unser Christsein nicht dem Zufall verdanken, sondern unserer Taufe, in der er uns angenommen hat, uns quasi geadelt hat und in den Stand von Gotteskindern gehoben hat. Weil das so ist, wäre es eine Beleidigung Gottes, wenn ein Christ nur um sich und seine eigenen Interessen kreist, statt intensiv nach Gott zu fragen und aus der Kraft des in ihm wohnenden Gottes heraus zu leben.
Zum Anderen: Gott kann daher weiter zu Recht von uns erwarten, dass wir als seine Kinder etwas von dem widerspiegeln, was ihn selbst auszeichnet. Es kommt zum Beispiel immer wieder mal vor, dass die männlichen Thronfolger der europäischen Königshäuser gerne mal eine bürgerliche Frau heiraten. Diese müssen in Intensivkursen erst einmal mit den Sitten und Verhaltensweisen vertraut gemacht werden, die Mitgliedern des Königshauses geziemen. Feine Zurückhaltung, bedachte Worte, aktive Teilnahme am Schicksal benachteiligter Bürger, Bescheidenheit im Auftreten und freundliches Entgegenkommen allen Menschen gegenüber! Was entspricht unserer hochadligen Stellung als Kindern Gottes, des Königs, zu denken, anzustreben, zu sagen und zu tun? Was würde Jesus an unserer Stelle und in bestimmten Situationen unseres Lebens denken, anstreben, sagen und tun?
Wenn wir diese Frage stellen, verbieten sich bestimmte Verhaltensweisen, wie z.B. Wutausbrüche, das Planen von Racheaktionen, Mobbing, Teilnahme an Intrigen, lügnerische Reden und Bereicherung an fremdem Eigentum wie von selbst.
Sodann: Für uns als Kinder Gottes darf die Liebe die beherrschende Triebkraft sein, die unser Leben durchpulst und uns für andere Menschen zu Beispielen des liebenden Gottes macht. Etwas von ihm scheint durch uns in die Welt hinein. Diese Liebe, mit der Gott in unser Leben getreten ist, lernen wir zu unterscheiden von den – wie Paulus es sagt – „trügerischen Begierden“, denen viele Menschen den Ehrennamen „Liebe“ verleihen.
Indem wir uns immer neu bewusst werden, dass wir als Kinder Gottes von höchstem Adel sind, sollten wir immer wieder auf unsere Worte achten. Wir werden weder Gott noch Jesus imitieren können. Aber Gott kann zu Recht von uns erwarten, dass sich auch unser Reden und Verhalten an der Weise des Redens und Handelns Jesu orientiert. Jesus hat nie unnütze Worte gemacht und wollte nicht, dass wir unser Gegenüber mit aufgeplustertem Wortschwall in die Irre führen.
Ein Ja, so sagte er einmal, soll ein Ja sein, und ein Nein ein Nein, darüber hinausgehende Beteuerungen oder gar Schwüre seien vom Übel. Indem Jesus Kranke heilte, zu den Ausgestoßenen, den Verzweifelten ging, ihnen Mut machte, ihnen ein neues Kapitel ihres Lebens öffnete, waren seine Worte geeignet, Resignation zu überwinden und Lebensmut zu erwecken. Als Töchtern und Söhnen Gottes steht es uns gut an, kranken, enttäuschten, verbitterten und gescheiterten Mitmenschen ebenso mit Wort und Tat Mut zu machen, im Vertrauen auf Gott die Lasten eines Tages zu schultern und sich nicht durch die möglichen Lasten zukünftiger Tage in quälender Sorge zu verzehren.
Wie ein guter Arzt einen Patienten darüber aufklärt, welche Lebensweise für ihn schädlich ist und welche Risiken mit einer bestimmten Operation verbunden sind, hat auch Jesus offen und provozierend seinen Zuhörern die Folgen ihres Tuns und ihrer Zugehörigkeit zu ihm vor Augen gestellt. So hat er etwa dargelegt, dass man sich entscheiden muss zwischen dem Geld als einem Abgott oder dem himmlischen Vater als wahrem Gott.
Und schließlich: Halten wir unsere Zunge in Zaum, um uns an keinem Klatsch über andere Menschen hinter ihrem Rücken zu beteiligen? Dienen unsere Worte dazu, Entfremdungen zwischen Menschen und Menschengruppen zu vertiefen oder zu überwinden? Führen unsere Worte dazu, dass die weit verbreitete Fremdheit zu Gott und zur Kirche noch vermehrt wird, oder helfen unsere Worte dazu, Glauben zu stärken oder zu wecken? Regen unsere Worte dazu an, im Geist der Vergebung, die Gott uns gewährt, auch der Kirche eine Chance zu geben, Missstände zu beseitigen und eine Reform in Gang zu bringen?
Beteiligen wir uns an der allgemeinen, aggressiven Erregung über alles, was durchaus auch verbesserungswürdig ist, ohne aber selbst irgendetwas zu tun, oder tragen wir stattdessen selbst dazu bei, dass auch unterschiedliche Meinungen so ausgetragen werden, dass durch sie letzten Endes doch etwas bewegt wird und ein gesellschaftlicher Friede erreicht werden?
Trinken wir doch stets von neuem aus dem Brunnen des uns in der Taufe für immer geschenkten Heiligen Geistes! Ihn wollen wir bitten, uns täglich neu mit Gottvertrauen, Freude und Liebe zu inspirieren und uns so zu Leuchttürmen für Menschen machen, die nach etwas suchen, was ihnen Halt geben könnte, aber bislang Gott in Jesus noch nicht wirklich gefunden haben!
Amen
Spruch:
Heile du mich, Herr, so werde ich heil; hilf mir, so ist mir geholfen. (Jeremia 17,14)
Eingangsgebet:
Guter Gott. Wir freuen uns, wenn es uns gut geht. Wir sind dankbar für das Spiel der Farben und des Windes.
Wir bitten dich. Hilf uns auch dann im Glauben fest zu bleiben, wenn der Wind uns ins Gesicht weht, wenn die Farben grau werden und die Angst uns überwältigen will.
Amen.
Schriftlesung: 2. Mose 34, 4-10
Und Mose hieb zwei steinerne Tafeln zu, wie die ersten waren, und stand am Morgen früh auf und stieg auf den Berg Sinai, wie ihm der HERR geboten hatte, und nahm die zwei steinernen Tafeln in seine Hand.
Da kam der HERR hernieder in einer Wolke, und Mose trat daselbst zu ihm und rief den Namen des HERRN an. Und der HERR ging vor seinem Angesicht vorüber, und er rief aus: HERR, HERR, Gott, barmherzig und gnädig und geduldig und von großer Gnade und Treue, der da Tausenden Gnade bewahrt und vergibt Missetat, Übertretung und Sünde, aber ungestraft lässt er niemand, sondern sucht die Missetat der Väter heim an Kindern und Kindeskindern bis ins dritte und vierte Glied!
Und Mose neigte sich eilends zur Erde und betete an und sprach: Hab ich, HERR, Gnade vor deinen Augen gefunden, so gehe der Herr in unserer Mitte und lass uns dein Erbbesitz sein.
Und der HERR sprach: Siehe, ich will einen Bund schließen: Vor deinem ganzen Volk will ich Wunder tun, wie sie nicht geschehen sind in allen Landen und unter allen Völkern, und das ganze Volk, in dessen Mitte du bist, soll des HERRN Werk sehen; denn wunderbar wird sein, was ich an dir tun werde.
Lieder:
398, 1+2 „In dir ist Freude“
320, 1-5 „Nun lasst uns Gott, dem Herren“
390, 1-3 „Erneuere mich, o ewiges Licht“
425, 1-3 „Gib uns Frieden jeden Tag“
Fürbitten
Wir bitten dich Gott, beschütze das Werk deiner Hände, deine Schöpfung mit allem, was darinnen ist.
Wir bitten dich: Schütze die Menschen, dass sie füreinander da sind und Sorge tragen.
Wir bitten dich: Stehe den Menschen mit Behinderungen und Krankheiten bei.
Wir bitten dich: Sei bei den Menschen, die Kranke besuchen und Behinderte begleiten.
Wir bitten dich für unser Land und für unsern Ort. Lass Frieden und Gerechtigkeit unter uns wohnen, dass es den Menschen gut geht.
Wir bitten dich für die Menschen in pflegenden und helfenden Berufen. Schenke ihnen Gelassenheit und Selbstvertrauen, dass sie für die Menschen da sein können.
Amen
