Predigt zur Konfirmation 2026

Johannes 14, 1-6
1 Euer Herz erschrecke nicht! Glaubt an Gott und glaubt an mich! 2 In meines Vaters Hause sind viele Wohnungen. Wenn’s nicht so wäre, hätte ich dann zu euch gesagt: Ich gehe hin, euch die Stätte zu bereiten? 3 Und wenn ich hingehe, euch die Stätte zu bereiten, will ich wiederkommen und euch zu mir nehmen, damit ihr seid, wo ich bin. 4 Und wo ich hingehe, den Weg wisst ihr.
5 Spricht zu ihm Thomas: Herr, wir wissen nicht, wo du hingehst; wie können wir den Weg wissen?
6 Jesus spricht zu ihm: Ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben; niemand kommt zum Vater denn durch mich.


Liebe Konfirmandinnen und Konfirmanden, liebe Gemeinde
Was bedeutet eigentlich die Konfirmation? Etwas, was schon immer so war? Oder ist es vielleicht doch mehr? Ich möchte etwas anderes vorschlagen: „Konfirmation – und das Leben beginnt“. Da werden die meisten eher Einwände bringen, etwa, dass das Leben ja wohl mit der Geburt beginnt. Das ist richtig, aber ich bin trotzdem überzeugt, diese Überschrift passt tatsächlich, weil mit der Konfirmation wirklich genau das passiert: das Leben beginnt.

Fangen wir mal anders an. Das haben viele bestimmt auch schon gemerkt. Oft hört und liest man Dinge, die klingen erst einmal vielversprechend, aber es steckt nicht viel dahinter: Da kommt ein goldener Brief ins Haus mit der Mitteilung: „Herzlichen Glückwunsch, sie haben eine Million gewonnen“. Doch wenn man genauer hinschaut, ist es ein Schwindel: Erst einmal muss man etwas kaufen, dann darf man bei einer Verlosung mitmachen, bei der man theoretisch etwas gewinnen kann. Oder: ihr ladet euch irgendein Spiel herunter, von dem es heißt, es sei völlig kostenlos, und dann ist der halbe Bildschirm mit Werbung vollgepflastert, was man kaufen sollte, um gut voran zu kommen. Oder: Da sagt heute jemand zu euch, dass er oder sie dein bester Freund bzw. deine beste Freundin sei, und morgen kriegst du mit, wie dieser angeblich beste Freund auf irgendeiner Plattform im Internet über dich lästert.

Das Leben, nur Sprüche, alles heiße Luft? Auf wen und was kann ich mich heute eigentlich noch verlassen? Woran merke ich, ob es eine ehrlich mit mir meint oder ob einer mich nur ausnutzen will? Ich glaube, es ist gar nicht so schwer, das herauszufinden. Kommen wir noch mal zu dem Spruch „Konfirmation – und das Leben beginnt“ zurück. Auch nur ein hohler Spruch? Eine Mogelpackung? Oder eine Botschaft, hinter der sich eine Wahrheit verbirgt? Wieso beginnt mit der Konfirmation das Leben?

Natürlich beginnt das Leben mit der Geburt. Aber mit der Konfirmation beginnt ein besonderer Teil des Lebens. Der Ernst des Lebens? Früher, als eure Urgroßeltern konfirmiert wurden, da war es so, dass mit der Konfirmation auch die Schulzeit zu Ende war und die Lehrzeit anfing, Mädchen kamen oft in irgendeinen Haushalt. Und so haben die meisten Jungen und Mädchen damals die Konfirmation denn auch verstanden: „Konfirmation – und der Ernst des Lebens beginnt“. Damit verbunden war der Gedanke, dass jetzt die Zeit des Erwachsenwerdens beginnt, somit markierte die Konfirmation eben das Ende der Kindheit. All das ist heute nicht mehr so. Die meisten von euch sind gerade einmal vierzehn Jahre alt, da kann man weder wirklich vom Ende der Kindheit geschweige denn vom Beginn der Berufstätigkeit sprechen kann. Zum Glück.

Und trotzdem ist es soweit: für euch beginnt heute das Leben. Denn – wenn ihr heute den Tag eurer Konfirmation wirklich mit ganzem Herzen begeht – dann macht ihr heute einen Anfang mit Gott. In Form von Jesus, der in unserem Predigttext sagt: „Ich bin der Weg, und die Wahrheit und das Leben, niemand kommt zum Vater denn durch mich“.

Zwei Drittel von euch wurden als Säuglinge oder Kleinkinder getauft. Ihr wurdet damals nicht gefragt, eure Eltern und Paten haben diese Entscheidung für euch gefällt. Einer hat sich ganz bewusst vor der Konfirmation zur Taufe entschieden, ihr alle ebenso bewusst zur Konfirmation. „Konfirmation“, zu Deutsch: Bekräftigung. Mit anderen Worten, ihr sagt heute ja zu einem Lebensweg mit Gott. Ihr schlagt heute in die Hand Gottes ein, die er euch seit eurer Geburt hingehalten hat. Und dieser Gott, den wir in der Person Jesu kennen gelernt haben, er möchte der Wegbegleiter und Gestalter eures Lebens sein. Die Frage ist nur, ob ihr ihm wirklich vertraut. Oder ob ihr ihn auch nur für einen Sprücheklopfer haltet und das, was er sagt, für eine Mogelpackung.

Warum ihr Jesus vertrauen könnt, darüber haben wir im Konfirmandenunterricht gesprochen. Über Kreuz, Tod und Auferstehung wollen wir heute Morgen gar nicht groß reden. Eher über sein Leben. Denn wir haben festgestellt, dass er viel Gutes getan hat. Dass er zu den Menschen gegangen ist – meistens gerade zu denen, über die andere die Nase gerümpft haben. Dass er nicht nur geredet sondern auch gehandelt hat. Dass er zu seinem Wort gestanden hat und für all das eben auch ans Kreuz musste, weil er vielen durch sein Verhalten ein Dorn im Auge geworden war. Also: Jesus hat nicht nur geredet, er hat auch gehandelt. Er ist seinen Weg der Liebe zu uns Menschen konsequent zu Ende gegangen. Und deshalb: wenn dieser Jesus sagt, dass er der Weg, die Wahrheit und das Leben ist, dann ist das eben keine Mogelpackung.

Wir haben nicht mehr die Zeiten eurer Urgroßeltern, der Ernst des Lebens beginnt nicht schon gleich morgen, wenn ihr eine Fabrik oder einen Haushalt gehen müsstet. Aber er wird schon sehr bald beginnen, wenn er nicht vielleicht doch längst begonnen hat. Denn leider zählen auch für euch nur Leistungen, jetzt schon, in der Schule und dann erst recht, wenn es darum geht, überhaupt einen Beruf zu finden und das machen zu können, was ihr euch von eurem Leben erträumt. Ihr werdet immer wieder mit Rückschlägen und auch Enttäuschungen konfrontiert werden und ich kann nur noch einmal wiederholen, was ich euch schon manches Mal gesagt habe. Es gibt Menschen, die dabei mit euch auf dem Weg sein werden. Zuallererst wird das eure Familie sein, dann aber auch wirkliche Freunde, auf die ihr euch verlassen könnt, wir als Gemeinde – und einer davon wird Jesus sein.

Deshalb dürft ihr heute voller Zuversicht euren Lebensweg und Glaubensweg fortsetzen. Ab heute möchte Jesus der Steuermann eures Lebensschiffes sein. Und das heißt, dass er euer Leben durch alle Gewässer steuern wird, durch ruhige See ebenso wie durch schwere Stürme. Christ sein heißt zwar nicht, dass Gott euch vor allem Unheil bewahren wird. Auch als Christen könnt ihr Schiffbruch erleiden. Aber was auch kommt, dieser Jesus ist immer bei euch. Eines ist sicher: Wenn ihr, vielleicht gleich bei der Einsegnung, wahrscheinlich aber erst später in eurem Leben, wenn ihr es wirklich mit Gott versuchen wollt, dann wird euer Leben gelingen. Nein, mehr noch, dann wird euer Leben beginnen, weil Gott uns verändern kann. Er macht uns nämlich immer mehr zu den Menschen, wie er sie sich wünscht.

„Konfirmation und das Leben beginnt“ – für den Weg des Lebens, der nun vor euch liegt und den ihr nur einzuschlagen braucht, wünscht euch eure Kirchengemeinde nicht nur alles Gute. Sie möchte euch auch in die Gemeinde aufnehmen und euch begleiten und euch nicht aus dieser Gemeinde heraus konfirmieren. Dafür stehen wir drei. Dafür ist auch weiterhin der Gottesdienst da. Dafür steht aber auch das Geschenk, das ihr heute von der Kirchengemeinde erhaltet – das Buch, das ich euch gleich geben werde. Eine Art erste Marschverpflegung für den Weg des Glaubens.

Vor allem aber wünsche ich, dass ihr euch von niemandem abbringen lasst von dem guten Weg des Glaubens. Nicht von denen, die euch weismachen wollen, dass der Sinn des Lebens im Geldverdienen und in der Anhäufung von viel Besitz besteht. Nicht von denen, die euch das kurze Glück ohne Sorgen und Probleme versprechen – eben von Sprücheklopfern, die euch viel versprechen und doch nichts davon halten. Und lasst euch auch nicht von Freunden von diesem Weg des Glaubens abbringen, wenn sie sagen, wer nach seiner Konfirmation noch in die Kirche geht oder sich in der Gemeinde engagiert, der ist nicht ganz dicht im Kopf.

Das wahre Leben, das für euch heute beginnt, das fängt ganz tief in euren Herzen an. Es ist eine ganz persönliche Sache zwischen euch und Gott. Und niemand kann sie euch kaputt machen, wenn ihr es nicht wollt. Verlasst euch auf euer Gespür, dass ihr auf dem richtigen Weg seid, auch wenn dieser Weg vielleicht nicht der bequemste ist. Und verlasst euch auf Gott, der nicht mehr von eurer Seite weicht. Er wird euch helfen, diesen Weg bis zum Ziel zu gehen. Ihr müsst den Weg dazu nur offen halten, so, wie schon unsere Vorfahren sagten: „Wenn dat Glücke harinkeumen sall, moßt diu auk de Dür oppenhaulen – Wenn das Glück hereinkommen soll, musst du auch die Tür offen halten.

Amen

Spruch:
Christus spricht: Ich bin der Weg, und die Wahrheit und das Leben, niemand kommt zum Vater denn durch mich (Joh 14,6)

Gebet:
O Herr, mach mich zu einem Werkzeug deines Friedens,
dass ich Liebe übe, wo man sich hasst,
dass ich verzeihe, wo man sich beleidigt,
dass ich verbinde, da, wo Streit ist,
dass ich die Wahrheit sagen, wo der Irrtum herrscht,
dass ich den Glauben bringe, wo der Zweifel drückt,
dass ich Hoffnung wecke, wo die Verzweiflung quält,
dass ich ein Licht anzünde, wo die Finsternis regiert,
dass ich Freude mache, wo der Kummer wohnt.
Denn wer da hingibt, der empfängt;
Wer sich selbst vergisst, der findet;
Wer verzeiht, dem wird verziehen;
Und wer stirbt, erwacht zum ewigen Leben.

Lesung: Jeremia 31, 31-34
31 Siehe, es kommt die Zeit, spricht der HERR, da will ich mit dem Hause Israel und mit dem Hause Juda einen neuen Bund schließen, 32 nicht wie der Bund gewesen ist, den ich mit ihren Vätern schloss, als ich sie bei der Hand nahm, um sie aus Ägyptenland zu führen, ein Bund, den sie nicht gehalten haben, ob ich gleich ihr Herr war, spricht der HERR; 33 sondern das soll der Bund sein, den ich mit dem Hause Israel schließen will nach dieser Zeit, spricht der HERR: Ich will mein Gesetz in ihr Herz geben und in ihren Sinn schreiben, und sie sollen mein Volk sein und ich will ihr Gott sein.
34 Und es wird keiner den andern noch ein Bruder den andern lehren und sagen: »Erkenne den HERRN«, sondern sie sollen mich alle erkennen, beide, Klein und Groß, spricht der HERR; denn ich will ihnen ihre Missetat vergeben und ihrer Sünde nimmermehr gedenken.