Predigt am 7. Sonntag nach Trinitatis
Philipper 2, 1-4
Ist nun bei euch Ermahnung in Christus, ist Trost der Liebe, ist Gemeinschaft des Geistes, ist herzliche Liebe und Barmherzigkeit, so macht meine Freude dadurch vollkommen, dass ihr eines Sinnes seid, gleiche Liebe habt, einmütig und einträchtig seid.Tut nichts aus Eigennutz oder um eitler Ehre willen, sondern in Demut achte einer den andern höher als sich selbst, und ein jeder sehe nicht auf das Seine, sondern auch auf das, was dem andern dient.
Liebe Gemeinde
Das mag ja bei den Philippern so gewesen sein, was Paulus hier schreibt aber bei uns? Trifft das auch auf uns zu? „Ist nun bei euch Ermahnung in Christus, ist Trost der Liebe, ist Gemeinschaft des Geistes, ist herzliche Liebe und Barmherzigkeit…“ Wollen wir das so hören? Wir blenden am Sonntag ja auch meist aus, wie wir die Woche über leben und was wir so erleben. Aber ganz ehrlich: Wo ist denn im Alltag „Ermahnung in Christus“? Wo haben wir denn „Gemeinschaft des Geistes“ und „Barmherzigkeit“? Allenfalls die Liebe spielt noch in unserem Alltag eine mehr oder weniger große Rolle, aber selbst die ist in unserem Predigttext anders gemeint, nämlich als Liebe zu Jesu Christus, die uns bewegt und füreinander aufschließt! Und wo – wenn wir ehrlich sind! – erfahren wir diese Liebe in unserem Leben, außer eben dass wir von ihr in einer Predigt hören.
Und das geht auch noch so weiter: …macht meine Freude dadurch vollkommen, dass ihr eines Sinnes seid, gleiche Liebe habt, einmütig und einträchtig seid. Fällt uns das nicht schon in unserem ganz persönlichen kleinen Umfeld schwer? Haben wir nicht unsere rechte Mühe damit, allein schon innerhalb der Familie? Und da sollen wir sogar noch in der Gemeinde einen Sinn und die einende Liebe Jesu haben?
Und der Gipfel dieser Forderungen ist ja wohl dies: Tut nichts aus Eigennutz oder um eitler Ehre willen, sondern in Demut achte einer den andern höher als sich selbst, und ein jeder sehe nicht auf das Seine, sondern auch auf das, was dem andern dient.Wirklich: Wie aus einer anderen Welt erscheinen uns diese Empfehlungen!
Was tun wir also jetzt damit? Legen wir diese Worte beiseite und sagen: Sie sprechen nicht zu uns, nehmen unsere Situation nicht auf, überfordern uns und bringen uns daher nicht weiter? Es gibt aber noch einen anderen Weg.
Irgendwie wünschen wir uns das doch, was diese Worte beschreiben. Ja, so müsste es sein! Ein Geist sollte unter uns herrschen, etwas von Christi Liebe sollte unser Tun bestimmen, wir sollten barmherzig miteinander umgehen und auch ein wenig demütig, uneigennützig im Dienst einer für den anderen. Und was wir uns wünschen, das müssten wir dann doch auch fördern. Und – wie so oft – es kann und muss bei uns anfangen, dass Liebe, Barmherzigkeit und Demut unter uns einziehen! Von selbst kommt das nicht, nur weil wir davon hören und uns vielleicht danach sehnen! Einer oder eine muss anfangen. Warum nicht wir?
Achten wir also noch einmal auf diese Worte. Gehen wir ihnen entlang und fragen wir uns, was sie für uns ganz persönlich bedeuten könnten: Ist nun bei euch Ermahnung in Christus, ist Trost der Liebe, ist Gemeinschaft des Geistes, ist herzliche Liebe und Barmherzigkeit…
Wie schwer fällt uns das, einander zu ermahnen! Und wie viele ausgewachsene Gemeinheiten tun Menschen einander an. Aber warum sagen wir dem Kerl, der zuhause Frau und Kinder prügelt nicht, was er für ein Drecksack ist und was er Frau und Kindern damit antut? Haben wir Angst, dass er uns fragt, was uns das denn angeht und ob wir meinen, dass wir besser wären? Warum stellen wir die Schwätzerin nicht zur Rede, die immer nur böse Gerüchte über andere verbreitet, von denen wir wissen, dass sie nicht wahr sind? Fürchten wir, sie könnte auch über uns schlecht zu reden beginnen? Und warum ist das so unter uns, die wir uns doch alle Christen nennen, dass, wenn jemand einmal ein Fehler gemacht hat, dass er dann auch noch sprichwörtlich durchs Dorf getrieben wird, dass oft nicht locker gelassen wird, ihm oder ihr ständig den Fehltritt vorzuhalten oder diesen Fehltritt gar noch auszuschmücken. Warum sagen wir dann nicht einfach mal: So jetzt ist es aber gut. Schluss damit! Man muss sich auch verzeihen können.
Wenn wir aber schweigen, wird vermutlich auch kein anderer den Mund aufbekommen! Wenn wir nicht einmal allen Mut zusammennehmen, wird vielleicht nie aufhören, was doch böse ist und Menschen kränkt und ihnen wehtut! Wenn wir nicht die die Kraft zum Verzeihen und zur Erbarmung aufbringen, wer dann? Und verzeihen heißt ja nicht, alles schön oder klein zu reden, alle Fehler wegzuwischen. Ich glaube, „Ermahnung in Christus“ finge damit an, dass wir einmal die Folgen für uns selbst beiseite lassen und sagen, was gesagt werden muss und tun, was wir um Christi willen tun müssen!
Und da merken wir es doch jetzt: Das wären schon erste Schritte auf dem Weg zum Trost der Liebe, zur „emeinschaft des Geistes, zu herzlicher Liebe und Barmherzigkeit! Denn das würde bestimmt die Menschen trösten, die unter der Bosheit, Betrug und der Gewalt, dem Geschwätz und der üblen Nachrede anderer leiden, wenn sie an uns erfahren könnten: Da macht einer den Mund auf. Da gibt es eine, die findet nicht in Ordnung, was mir angetan wird! Ich meine überhaupt, wir vergessen meist oder zu oft die Opfer! Wir sehen vielleicht noch den, der anderen dunkle Stunden bereitet oder sogar ihr Leben zerstört, wir wenden unsere Aufmerksamkeit denen zu, die über andere Böses erzählen und ihren Ruf schädigen. Was die aber mitmachen, die Bosheit oder schlechtes Geschwätz selbst erleiden müssen, scheint uns nicht so sehr zu interessieren! Denn interessierten uns diese Menschen, dann würden wir mit ihnen fühlen. Und fühlten wir mir ihnen, dann müssten wir uns zu ihnen stellen und für sie eintreten!
Und wenn wir erst einmal so weit gekommen sind auf dem Weg, dann sind auch diese Empfehlungen und dass wir ihnen entsprechen nur noch ein paar Schritte weiter: „Tut nichts aus Eigennutz oder um eitler Ehre willen, sondern in Demut achte einer den andern höher als sich selbst, und ein jeder sehe nicht auf das Seine, sondern auch auf das, was dem andern dient“.
Das ist doch kein Geheimnis, dass eine Freude, an der auch andere teilhaben, noch viel größer und schöner wird. Und wir freuen uns selbst doch auch viel mehr an dem, wovon auch andere noch etwas abbekommen! Im kleinen Kreis, in der Familie, in der Nachbarschaft klappt das doch auch ganz gut. Ich denke an den Brauch, dass wir, am Arbeitsplatz oder im Verein den anderen aus lauter Freude „einen ausgeben“! Aber auch mit anderen Gaben, die wir haben, gehen wir gern zu anderen, dass sie sich mit daran freuen: Etwa, wenn wir handwerklich geschickt sind, dann machen wir des Nachbars Gartenzaun zu einem Blickfang und Augenweide. Oder wenn wir einkaufen fahren, dass wir bei der Nachbarin fragen, ob wir ihr etwas mitbringen können. Und bei alledem spielt einmal das Geld überhaupt keine Rolle! Aus Freude tun wir das – zur Freude! Warum kann man das alles denn nicht ausdehnen? Warum nicht die in den Blick bekommen, die etwas weiter entfernt wohnen, aber auf solche Zeichen warten? Warum nicht auch denen mal „einen ausgeben“?
Und die eitle Ehre? Naja, die Ehre sollten wir auch nicht ganz so hoch hängen, dass wir sie unbedingt haben müssten! Meist trennt sie uns ja auch mehr von den Menschen, als dass sie uns zusammenschließt! Es ist doch viel schöner, dass die Menschen uns einfach gern haben, unsere Nähe suchen und unsere Meinung gelten lassen und hören wollen, als dass sie uns hofieren und am Ende noch unterwürfig die Ehre geben! Wärme muss zu spüren sein zwischen den Menschen! Wohl muss uns sein, wenn wir beisammen sitzen. Eine Gemeinschaft wollen wir sein, in der jeder und jede zählt und man sagen kann, was man denkt und wie man fühlt.
Wir können viel von der Liebe Gottes erzählen, wir können der Welt aber auch durch unser Tun die Gottes Liebe zu uns vor Augen führen. Denn wie sagt man doch bei uns? Helpe örstmol iuter Naut, dat Kürn kannste nohers deon. – Helfe erstmal aus der Not, das Reden kannst du nachher tun.
Amen
Wochenspruch:
So seid ihr nun nicht mehr Gäste und Fremdlinge, sondern Mitbürger der Heiligen und Gottes Hausgenossen.
Eingangsgebet
Du teilst aus, Gott und, alle werden satt. Du liebst, Christus, und alle sind geborgen. Du bewegst, Heiliger Geist, und alle machen sich auf den Weg.
Lass uns ergreifen, was du uns schenkst. Lass uns deiner Liebe trauen.
Amen
Lieder:
449, 1-4 „Die güldne Sonne“
326, 1-5 „Sei Lob und Ehr dem höchsten Gut“
398, 1+2 „In dir ist Freude“
171, 1-4 „Bewahre uns Gott, behüte uns Gott“
Lesung:
2 Und es murrte die ganze Gemeinde der Israeliten wider Mose und Aaron in der Wüste. 3 Und sie sprachen: Wollte Gott, wir wären in Ägypten gestorben durch des HERRN Hand, als wir bei den Fleischtöpfen saßen und hatten Brot die Fülle zu essen. Denn ihr habt uns dazu herausgeführt in diese Wüste, dass ihr diese ganze Gemeinde an Hunger sterben lasst.
11 Und der HERR sprach zu Mose: 12 Ich habe das Murren der Israeliten gehört. Sage ihnen: Gegen Abend sollt ihr Fleisch zu essen haben und am Morgen von Brot satt werden und sollt innewerden, dass ich, der HERR, euer Gott bin.
13 Und am Abend kamen Wachteln herauf und bedeckten das Lager. Und am Morgen lag Tau rings um das Lager. 14 Und als der Tau weg war, siehe, da lag’s in der Wüste rund und klein wie Reif auf der Erde. 15 Und als es die Israeliten sahen, sprachen sie untereinander: Man hu – was ist das? Denn sie wussten nicht, was es war. Mose aber sprach zu ihnen: Es ist das Brot, das euch der HERR zu essen gegeben hat.
16 Das ist’s aber, was der HERR geboten hat: Ein jeder sammle, soviel er zum Essen braucht, einen Krug voll für jeden nach der Zahl der Leute in seinem Zelte.
Fürbitten
Weil du niemanden ausschließt, bitten wir dich, Gott:
Für alle, die verachtet und vergessen werden, für alle, die aus ihrer Heimat fliehen, für alle, die das Gefühl haben, vergessen zu sein. Wecke in uns den Geist der Freundschaft, damit sich der Friede ausbreitet, weil du alles mit uns teilen willst.
Für alle, die am Mangel leiden, weil sie nicht genug zu essen haben, weil ihre Kleider zerrissen und ihre Wohnungen zerstört sind, weil sie zu wenig geliebt werden: Wecke in uns den Geist der offenen Herzen und Hände, wecke ihn überall, damit der Friede sich ausbreitet.
Weil du den Schuldigen vergibst, bitten wir dich für alle, die bedrückt sind, beunruhigt über ihr eigenes Leben, beschämt, weil sie das Falsche tun und das Richtige unterlassen: wecke in uns den Geist der Versöhnung, gib uns den Mut, Altes zu belassen und Neues zu beginnen und aufeinander zuzugehen. Wecke in uns und bewahre die Freude am Leben, damit sich der Friede ausbreitet.
Amen.